Urteile – (nicht)hart – aber (un)gerecht?

Es gibt verschiedene Arten, die Zeit im Wartezimmer eines Arztes totzuschlagen. Ich nehme mir immer die Zeitschriften vor. Selten findet man was wichtiges, meist nur Klatsch und Tratsch.
Aber heut bin ich auf einen sehr interessanten Artikel gestoßen.

Die Überschrift lautet: Wie würden sie urteilen?

10 Verbrechen wurden aufgelistet, weiter unten konnte man dann die dazugehörigen Urteile lesen.

Als ich das so gelesen habe, wurde mir ganz anders. Ich konnte mir leider nicht alles merken, aber das Wichtigste ist doch in meinem Hirn geblieben. An einem Urteil konnte man nämlich erkennen, daß Kinderpornographie in unserer Gesellschaft scheinbar als Kavaliersdelikt betrachtet wird. Da wurde nämlich ein (ich glaub) Lehrer grade mal zu 6 Monaten auf Bewährung verurteilt, weil bei einer Wohnungsdurchsuchung knapp 4000 Bilder und anderes kinderpornographisches Material sichergestellt wurde.

Dann wurde ein arbeitsloser Mann, der 100Euro aus einer Kellnerbrieftasche stahl, zu 7 Monaten Haft OHNE Bewährung verurteilt.

Da fragt man sich doch, was sind 100 Euro im Vergleich zu vielen vielen unschuldigen Kindern???

Ein weiteres Beispiel, welches mich nur mit dem Kopfschütteln ließ: Mord bzw. Totschlag.
Ein Mann kommt in die Wohnung seiner frisch getrennten Ex. Es kommt zum Streit wegen einer Kleinigkeit. Der Mann zückt ein Messer und ersticht die Frau mit mehreren Stichen.
Urteil: 9 Monate
Eine Frau wird jahrelang von ihrem Mann geschlagen und aufs übelste mißhandelt. Er droht ihr immer wieder, wenn sie ihn verläßt, bringe er sie um. Eines Tages kam es wieder zum Streit mit Morddrohung, der Mann legt sich schlafen. Die Frau erschlägt ihm im Schlaf. Urteil für die Frau: 6 Jahre

Klar, keine Frage, die Frau hat natürlich nicht richtig gehandelt, Selbstjustiz ist keine Möglichkeit, aber warum um alles in der Welt bekommt der Mann, der seine Frau wegen einer Kleinigkeit ersticht nur 9 Monate?

Warum fallen Urteile nur so unterschiedlich aus?

Ähnliche Artikel

3 Gedanken zu „Urteile – (nicht)hart – aber (un)gerecht?“

  1. Unterscheide zwischen Mord und Totschlag!
    Mord, heimtückisch geplant -> Mann im Schlaf ermordet.
    Totschlag, ist „halt“ passiert -> Ungeplant, im Affekt.

    Ein Lehrer, der wegen Kinderpornos verurteilt ist, egal ob Haft oder Bewährung, dem seine Strafe lauert auf der Straße, in der Bäckerei! Der Mann ist, zurecht, gebrantmarkt!

    Beim Arbeitslosen fehlt die Vorgeschichte. Zum erstenmal geklaut?

  2. Klar muß man zwischen Mord und Totschlag unterscheiden. Ich finde ja auch die 6 Jahre für die Frau (leider) gerecht. Aber 9 Monate für den Mann? Egal ob ungeplant und im Affekt, das ist eindeutig zu wenig. Immerhin waren es mehrere Messerstiche!

    Zur Vorgeschichte des Arbeitslosen kann ich leider nix sagen, es hatte sich so gelesen, als ob er bisher noch nicht mit dem Gesetz in Konflikt geraten war. (wobei ich aber ehrlich gesagt schon denke, daß da schon mal was vorgefallen sein muß)
    Das Urteil des Lehrers finde ich trotzdem viel zu milde. Ich glaube nicht unbedingt, daß er aus der Bewährungsstrafe lernt und er wird sich wieder Bilder und ähnliches besorgen (und hoffentlich nicht noch weitergehen…)

  3. Wie die Juristen so sagen: „Jeder Fall liegt anders.“
    Daher ist es wohl etwas voreilig, aus einer zweizeiligen Tatbeschreibung ein Urteil über die Gerechtigkeit des Strafmaßes zu fällen.

Kommentare sind geschlossen.