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Krankenakte

Ohne Gallenblase lebt es sich auch gut

Wie versprochen der OP-Bericht! (hat leider etwas länger gedauert durch meinen zweiten Krankenhausaufenthalt und dann auch noch dem Internetausfall)
Ich hoffe, ich kann damit vielen Gallensteinträgern mit Problemen wie Koliken und anderen Symptomen die Angst vor der Gallensteinentfernung nehmen!

Wer Zeit (ich warne euch vor, der Bericht ist wirklich sehr ausführlich!) und Lust hat kann hier weiterlesen.

Tag 1)
Tag 2)
Tag 3)
Danach

Dienstag, 18. März 2008

7:00 Uhr
Ankunft im Krankenhaus, Anmeldung an der Aufnahme, kurze Besprechung mit dem Arzt. Nervosität hält sich noch in Grenzen

7:30 Uhr:
Der Weg zur Station wurde mir erklärt und ich wurde mit meiner Akte bewaffnet dort hingeschickt. Dort meldete ich mich bei der Schwester und ich wurde gebeten im Aufenthaltsraum zu warten. Noch eine Frau (ebenfalls von ihrem Mann begleitet) wartete dort schon. Wie sich herausstellte hatte auch sie die Gallen OP vor sich. Ganz erschrocken war sie, daß man in meinem Alter schon Gallensteine haben kann. Nervosität hielt sich noch immer in Grenzen. Dafür rechnete ich jeden Moment mit, daß die andere Frau einen Panik-Kollaps bekommt. Sie lief im Raum nur auf und ab. Am liebsten hätte ich ihr ein Bein gestellt, so daß sie stolpere und nicht mehr laufen könne ;-)

bis 10:00 Uhr
Warten im Aufenthaltsraum. Meine Leidensgenossin durfte schon gegen 9 auf ihr Zimmer. (Endlich kehrte Ruhe ein) Bei mir hieß es, ich müsse noch etwas warten, da so viele Neuzugänge waren und mein Bett noch nicht frei war. Zwischendurch kam dann schon mal die Schwester und hat Blutdruck und Fieber gemessen. Der Blutdruck war etwas zu hoch (ha, kein Wunder, meine Aufregung wuchs mittlerweile etwas).
Ich hab dem Dürrbi dann gesagt, er kann ruhig schon an die Arbeit gehen, die Wartezeit krieg ich auch alleine rum. So hab ich mich dann um nach 10 vom Dürrbi verabschiedet und ich war wieder allein, allein ;-)

11:00 Uhr
Die Schwester kam und meinte, daß bis um 11:30 mein Zimmer frei wäre. Die Dame, die bis dahin noch drin war, wurde auf eine andere Station verlegt und es mußte nur noch geputzt werden. Oh, was für eine Freude, ich muß wohl doch nicht im Aufenthaltsraum nächtigen :mrgreen:

11:35 Uhr
Ich wurde von der Schwester, die sich noch gefühlte hundert mal entschuldigte, auf mein Zimmer gebracht. Zu meiner Überraschung hatte ich ein Einzelzimmer. Die Schwester meinte noch, ich dürfe hier auch mit meinem Handy telefonieren. Der Blick nach draußen war wunderschön. Direkt vorm Fenster blüht ein wunderschöner Magnolien Baum. Eine wahre Pracht, es brachte einfach Frühlingslaune, zumal am Vormittag noch die Sonne schien…

Auf meinem Nachttisch lagen schon die wahnsinnig sexy Thrombosestrümpfe und der schicke OP-Kittel. Außerdem eine Flasche Wasser und eine halbe LMAA-Tablette. Die Schwester meinte, die OP sei für gegen 12/12:30 vorgesehen und sie nur noch auf den Anruf vom OP warten würde. Dann ließ mich die Schwester so lange alleine.
Ich packte meine Tasche aus, zog meine neue „Reizwäsche“ an und legte mich aufs Bett.

12:00 Uhr
Meine Nervosität wuchs, der wunderschön blühende Baum und die kurz zuvor von mir eingenommene Tablette konnte an der Situation auch nichts ändern. Ich rief den Dürrbi an. Mitten im Gespräch mußte ich anfangen zu lachen. Den Grund weiß ich nicht mehr. Ob wohl schon die Wirkung der Tablette einsetzte?

12:30 Uhr oder auch etwas später
Die Schwester kam, der OP wartete. Mein Herz raste. Durch viele Gänge ging es zum OP (den Weg würde ich heute nicht mehr finden) Dort wurde ich einem Arzt übergeben. Er fragte nur, was bei mir gemacht wird. Nach dem ich geantwortet habe meinte er nur scherzhaft: Och, nicht schon wieder…

Damit meine Kleidung komplett war durfte ich noch eine Haube aufsetzen und auf die unbequeme OP-Liege rüberrutschen.

12:45
Und ab ging es in den Anästhesie-Vorbereitungsraum, in dem ich solange bleiben sollte, bis ich eingeschlafen bin. In dem Krankenhaus gibt es viele ehrenamtliche Helfer. Eine nette ältere Dame stellte sich als OP-Begleiterin vor, die, wenn ich wollte, so lange bei mir bleibt, bis der Anästhesist kommt. Ich war für jede Ablenkung dankbar. Ich erzählte ihr von meinen Ängsten und sie verstand es wirklich sehr gut, mich zu beruhigen. Leider verzögerte sich auch hier die Zeit etwas, der eigentliche OP-Raum mußte erst frei werden…

13:10 Uhr
Endlich grünes Licht und der Anästhesist mit der Anästhesieschwester kamen herein. Beides sehr nette und sympathische Leute, die mir ebenso ganz lieb zugeredet haben. Die Schwester unterhielt sich kurz mit dem Arzt, ich empfand das irgendwie als witzig und mußte auf einmal anfangen zu lachen und konnte mich nicht mehr einkriegen. Auch hier weiß ich den Grund nicht mehr, aber der Lachflash befreite ungemein und ich sagte noch zum Arzt: „Keine Ahnung, was das für eine Tablette war, aber die muß ich mir merken“ :mrgreen:
Dann kriegte ich mich doch wieder ein. Die Schwester erzählte von Teneriffa und sie sagte, daß sie dort letztes Jahr war. Dann fragte sie, ob ich auch gern in Urlaub gehe. Ich erzählte auch von meinem Teneriffa-Urlaub von vor einigen Jahren. Der Anästhesist setzte in der Zwischenzeit die Spritze an und fing gaaaaaaanz langsam an, das Narkosemittel zu spritzen. Die Schwester hielt mir dann dann schon die Sauerstoffmaske vors Gesicht. Ich wollte noch sooooooo viel über Urlaub erzählen. Aber irgendwie konnte ich nicht mehr reden. Der Narkosearzt meinte beim Spritzen noch, es könne jetzt etwas Brennen. Aber darauf konnte ich schon auch nicht mehr antworten. Ich hörte nur noch die Schwester sagen, sie machen jetzt eine wunderschöne kostenlose Reise….

STILLE!

kurz nach 16:00 Uhr
Ich höre Stimmen, sie rufen meinen Namen. Ich frage: Lebe ich noch? Die Frauenstimme (es war glaub ich die Anästhesieschwester) sagte: Ja natürlich, wenn auch schon viele Leute meinten, wir seien Engel ;-)
Sie fragte mich, wie es mir geht und ich meinte: „Gut, nur etwas besoffen.“ Mir gings wirklich gut, kaum Schmerzen und keine Übelkeit.

Allerdings war ich ganz erschrocken, als ich auf die Uhr schaute (ja, ich bin verrückt, ich weiß, mein erster Blick ging auf die große Uhr, die an der Wand hing *g*) Es war ja schon so spät und ich wußte, daß der Dürrbi doch so gegen 5 da sein wollte…
Ich also ganz mühsam versucht, meine Augen aufzuhalten. Ich wollte doch so schnell wie möglich zurück auf Station. Nicht nur wegen dem Dürrbi, nein, der Aufwachraum war total voll und meine Mitpatienten waren alle so leidend. Jammern links neben mir, dummes Zeugs reden rechts neben mir. Ne, nix für mich. Um denen dort zu zeigen, wie gut es mir geht, habe ich dauernd versucht, mich aufzurichten. Der Arzt dort meinte dann endlich: Selten, daß es Patienten gleich wieder soooo gut geht und ganz ohne erneutes Schmerzmittel. Endlich rief er dann auf meiner Station an und ich wurde wieder abgeholt.

Eine andere ganz liebe Schwester fuhr mich dann zurück. Auch sie war etwas erstaunt, daß ich schon wieder so neugierig umherschaute *g*

16:30 Uhr
Und wieder am Zimmer. Die Schwester sagte, wenn ich aufs Klo müsse, solle ich ihr Bescheid geben. Ich sagte, ja ich müsse jetzt gleich. (Eigentlich mußte ich schon im Anästhesieraum, hab aber nix gesagt)
Die Schwester fragte mich, ob ichs auf Klo könne oder lieber mit Bettpfanne. Ne ne, Bettpfanne ist bestimmt nix für Michis *lach*
Ich also aufgestanden, kurzzeitig hat sich das Zimmer gedreht und ich bin mit Hilfe aufs Klo gegangen. Ich sollte klingeln, wenn ich fertig bin. Das machte ich dann auch, bin dann aber schon soweit wieder selbständig aufgestanden und die Schwester begleitete mich dann zurück ins Bett.

Gleich rief ich den Dürrbi an. Er hatte wohl just in dem Moment den Rechner an der Arbeit ausgemacht und war auf dem Weg zu mir.
Eine knappe Viertelstunde später war er dann auch schon da.
Auch er war wohl etwas erstaunt, wie gut es mir schon ging.
Ich wollte nun ganz schnell meinen OP-Kittel loswerden und ich zog meinen Schlafanzug an.
Ich setzte mich aufs Bett und begann dem Dürrbi die ganze Geschichte zu erzählen. Währenddessen habe ich irgendwie anfangen müssen zu zittern, keine Ahnung warum, meine Zähne klapperten einfach. Aber mir ging es gut, das Zittern legte sich auch schnell wieder.

Irgendwann kam die Schwester rein, um zu schauen, wie es mir geht. Sie wollte grade fragen, aber dann sah sie schon, daß ich im Schlafanzug auf dem Bett hockte und sie meinte nur: Ach, ihnen gehts schon wieder gut :-)

Ich will jetzt nicht behaupten, daß ich überhaupt keine Schmerzen hatte und daß ich hätte Bäume ausreißen können. Ne, im Bauch tats schon weh und ich konnte mich nicht so richtig gut bewegen. Aber dafür, daß ich grade ganz frisch operiert war, ging es mir richtig gut. Schmerzmittel schlagen bei mir scheinbar seeeeeeehr gut an ;-)

19:00 Uhr
Ich bekam etwas zum Essen. 2 große Pötte mit Kartoffelsuppe oder was ähnlichem und einen Fruchtjoghurt. Der Geruch der Suppe brachte mich zum Würgen, ich probierte einen Löffel. Ne, das war nix, da wurde es mir irgendwie schlecht. Ich hatte aber auch Null Appetit. Kein Wunder, die OP war ja auch erst ein paar Stündchen her. Den Joghurt hab ich zumindest erst mal am Nachttisch gelassen, für den Fall, daß ich später Hunger bekam. Aber beim alleinigen Gedanken, etwas zu essen, wurde mir schlecht. Aber das ist nach Bauch OP’s auch nichts ungewöhnliches.
Dafür hatte ich Durst und hab ganz viel Pfefferminztee getrunken! Die Schwester hat mir auch immer gleich Nachschub geholt. Übrigens eine ganz ganz liebe. Sie war abends, als der Dürrbi weg war, auch noch richtig lange auf meinem Zimmer und wir haben uns blendend unterhalten…

ab 21:00 Uhr
Die Schicht der Nachtschwester begann. Eine richtig liebe Seele, naja, eine fast liebe Seele. Hätte sie mich nicht alle Stunde geweckt zum Blutdruckmessen (der immer top war) wäre sie die Beste gewesen…
Ich konnte eh kaum schlafen, weil ich nur am Rücken liegen konnte und immer wenn ich grade wieder eingedusselt bin, kam sie aber wenigstens leise rein. Zum Glück machte sie auch nicht das große Licht an…Also doch eine Liebe ;-)

Mittwoch, 19. März 2008

Ab jetzt ist der Bericht nicht mehr so ausführlich. Ich hör schon einige von Euch aufatmen ;-)

Morgens gleich um 7 war Visite. Blut abnehmen, Pflaster abnehmen, Drainage rausziehen. Die Schnitte sehen scheinbar alle gut aus. Ein vielleicht 3 cm Schnitt unterm Bauchnabel, noch ein ca. 3 cm Schnitt etwas oberhalb und dann noch 2 Mini-1cm-Schnitte auf der rechten Seite… frische Pflaster können drauf. Mein ganzer Bauch kommt mir richtig zugepflastert vor.
Nachdem die Visite weg war, gabs auch gleich Frühstück. Mein am Tag zuvor bestelltes Vollkornbrötchen mit Marmelade, Obst und nen Joghurt. Und das schöne: Ich hatte Appetit und es schmeckte. Ich aß zwar langsam, aber ich hab alles vertagen.
Mir gings richtig gut, dank der Schmerzmittel, die es halt nach OP’s immer gibt, hatte ich auch keine großen Schmerzen.

Später gabs noch mal ein Ultraschall, auch da war alles in bester Ordnung.

Das Mittagessen (Gulasch mit Reis, Salat, Pudding und süßes Teilchen – die wollen einen mästen im Krankenahaus *g*) hab ich auch sehr gut vertragen. Alles keine Probleme.

Donnerstag, 20. März 2008

Und wieder morgens Visite. Ich wurde gefragt, ob ich mich gut genug fühlte, um nach Hause zu gehen. Ja, ich fühlte mich richtig gut, hab ich doch die Nacht auch endlich recht gut schlafen können…
Also durfte ich nach Hause gehen. Ich bekam noch mein Frühstück, welches ich auch wieder keine Probleme machte, wartete auf den Dürrbi und den Arztbrief und weg war ich :-)

die Tage nach dem Krankenhaus bis heute

Die Tage bis zum Sonntag ging es mir auch ziemlich gut. Hier und da tat es noch weh. Klar, unnormal wäre es gewesen, wenn ich gar nichts gemerkt hätte. Das Gas, welches während der Operation in meinen Bauch gelassen wurde (das ist bei Bauchspiegelungen zur besseren Sicht wohl immer der Fall) machte sich auch noch einige Tage in Form von Schulterschmerzen bemerkbar. Aber ich kann Euch sagen: Es gibt viiiiiiiiiiiiiiiiiiiel viiiiiiiiiiiiel schlimmere Schmerzen!

Fleißige Blog-Leser wissen was dann am Sonntag passierte, alle anderen können hier und hier nachlesen.

Heute gehts mir wieder sehr sehr gut, essenstechnisch hab ich bisher alles vertragen, Schmerzen sind keine mehr da, nur unter dem Bauchnabel ist etwas empfindlich und es ist etwas unangenehm längere Zeit eine normale Jeans anzuhaben. Die Narben verheilen auch wunderbar, ich denke, in ein paar Wochen ist von denen so gut wie nix mehr zu sehen.
Ich würde jederzeit wieder die OP machen, denn endlich keine Bauchschmerzen und keine Übelkeit mehr :-)

Eine Antwort auf „Ohne Gallenblase lebt es sich auch gut“

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