Die Mär vom Moslem, der Weihnachten verbieten wollte…

…oder wie Qualitätsjournalismus bedeutet, dass man Recherchen vergessen darf.

Folgender Beitrag stammt ausnahmsweise mal nicht aus meiner Feder. Vielen Dank an dieser Stelle an meinen Arbeitskollegen Martin E., der mir die Erlaubnis zur Veröffentlichung erteilt hat.

Es war einmal ein islamischer Gelehrter, der sich Gehör verschaffen wollte. Tatsächlich hat er viel zu sagen und wird auch von vielen ernst genommen. Kontrovers war er auch bei den eigenen Leuten. So kam es, dass er auch weit über die Grenzen seiner Heimat und seiner Religion Beachtung fand. Eines Tages erzählte er, dass man Weihnachten verbieten möge. Ein Skandal, wie die christliche Welt empfand. Man war äußerst irritiert und fing an, sich lauthals über diesen Gelehrten zu beschweren. „Da seht ihr’s, wie sie gegen Christen hetzen.“ Alle stimmten sie ein. Was sollte man als Christ auch anders von ihm denken, man bekam es so beigebracht.

Die Moral von der Geschicht: Traue den Medien nicht.

Alles fing damit an, dass falsch übersetzt wurde. Manche sprechen sogar offen davon, dass vorsätzlich falsch übersetzt wurde, fiel doch der verantwortliche Übersetzungsdienst schon sehr oft durch „negative Verfälschung“ auf.
Was aber sagte dieser Gelehrte in Wahrheit oder wortwörtlich? Man kann es in etwa so zusammenfassen: „Ihr Moslems, ihr Geschäftsleute, schämt euch was. Auf der einen Seite beschwert ihr euch, wenn ein Minarett nicht gebaut werden darf. Auf der anderen Seite feiert ihr das christliche Weihnachten um des Kommerzes Willen und übertrefft euch mit der Größe des Weihnachtsbaums.“
So in etwa. Nun mag man darüber denken, wie man will. Auch über diesen Gelehrten mag man denken was man will. Das hat aber irgendwie wenig mit einer Hassrede gegen Christen zu tun. Vielmehr ist das vergleichbar mit unserer Kritik an beispielsweise Halloween, also am Feiern eines Festes um des Kommerzes Willen obwohl man keinen Bezug dazu hat.

Das wirklich Schlimme daran ist aber eher, dass diese Rede jederzeit verfügbar war im Original. Wäre man misstrauisch gewesen, hätte man das Original bei Youtube angehört und übersetzen lassen. Dann wäre man doch recht stutzig geworden. In der Internetzeit ist für derartige Recherche keine Zeit. So fing der Spiegel mit dieser Sensationsmeldung der Hetze an, alle anderen stimmten munter ein. Teilweise gingen den Redakteuren des Spiegel wohl völlig die Gäule durch mit Behauptungen, dieser Gelehrte wolle die Kreuze auf Kirchen verbieten, das Glockenläuten etc. In der zugrunde liegenden Rede wird so etwas mit keinem einzigen Wort erwähnt. Auch die Zusätze, dass sich die Kritik gegen die eigenen Geschäftsleute richte wurde verschwiegen.

Auch ehemals seriöse Magazine verlieren bei ihren Online-Auftritten im Wettlauf um die schnellste Nachricht völlig den Bezug zur Qualität. Man sollte es als mündiger Bürger wissen, wie moderner Journalismus abläuft bevor man sich davon beeinflussen lässt.

Nachzulesen beim Weltreporter

(via Mail)

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